Trost und Aufmunterung beim Kaffeerad am Hamborner Friedhof

  • 19.09.2026

„Die zwei Stunden hier sind ein eingelöstes Rezept gegen die Einsamkeit“, sagt Ute Lückhoff, lächelt und nimmt einen großen Schluck aus ihrem Kaffeebecher. Sie ist eine der ersten, die jetzt zum Friedhof der Evangelischen Kirchengemeinde Duisburg Hamborn, in Sichtweite der Friedenskirche, gekommen ist, „um mal wieder unter Leuten zu sein, die zuhören. Und sie geben einem selbst auch was mit auf den Weg – nämlich Trost, Verständnis und Aufmunterung.“

An einem Samstag im Monat, meist dem letzten, können die Menschen, die die Gräber ihrer verstorbenen Angehörigen und Freunde auf dem evangelischen Friedhof in Hamborn besuchen, bei einem warmen Kaffee oder Tee loswerden, was ihnen auf dem Herzen liegt.

„Ich habe eine Kaffeemaschine und ein Lastenfahrrad“, sagt Tiina M. Henke. Und damit stand das Fundament für eine Idee, die sie gemeinsam mit Heike Köller, Oliver und Andrea Miosczka in die Tat umsetzte.

„Wir können als Kirche doch nicht darauf warten, dass die Menschen zu uns kommen, wir müssen auf die Menschen zugehen“, so Henke. Sie nennt die monatliche Aktion auf dem Friedhof „Seelsorge to go“. Neben dem Lastenrad ist ein Stehtisch aufgebaut und daneben ist eine Friedhofsbank. Also genug Raum, seine innere Last abzulegen, sich „frei zu reden“.

So ging und geht es auch Ute Lückhoff. Als ihr Lebensgefährte vor zwei Jahren starb, ist die Obermeidericherin in ein richtiges „Kommunikationsloch“ gefallen. Trauerverarbeitung und Trauerbewältigung gehe halt nicht von heute auf morgen. Neben dem warmen Kaffee geben die Gespräche auch der Seele Wärme.

Am Anfang seien sie skeptisch, aber auch neugierig beäugt worden, so Oliver Miosczka. Es gab ein „vorsichtiges Herantasten“ und Fragen: „Was macht Ihr denn hier? Verkauft Ihr Grabkerzen? Bietet Ihr Grabpflege an?“

Die Antwort verblüffte: „Nein, wir schenken Ihnen Kaffee und Zeit.“ Schnell war das Eis gebrochen, und das lag nicht an den Warmgetränken. Das „Kaffeeteam“ war einigen Friedhofsbesuchern zudem bekannt. Presbyterin Heike Köller ist im Stadtteil bestens vernetzt und ihre Leidenschaft für Fußball und den MSV teilt sie mit vielen Hambornerinnen und Hambornern.

Kirchenmusikerin Tiina M. Henke kommt mit Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern schnell über ihr Orgelcafé und die Konzerte in der Friedenskirche ins Gespräch. Andrea Miosczka, Leiterin des Gemeinde-Kindergartens trifft am Kaffeerad nicht selten auf Mütter oder Omas früherer Kindergartenkinder. Ein beiderseitiges „Wie geht’s?“ ist oft der Einstieg in eine längere Unterhaltung.

Themen gebe es eine Menge, Gesprächsbedarf noch mehr, meint ihr Ehemann Oliver, lächelt und ruft einer neu hinzugekommenen Dame zu: „Kaffee kommt sofort, frisch aufgebrüht.“ Sein Lächeln wird sofort erwidert.

Als Ute Lückhoff sich verabschiedet, betont sie noch einmal, wie wichtig ihr diese Samstagsgespräche sind. Winkend meint sie: „Ich drehe jetzt meine Friedhofsrunde und freue mich auf das nächste Mal.“ Die nächsten Termine sind der 26. September, 14 bis 16 Uhr, sowie der 31. Oktober und 28. November, dann jeweils von 13 bis 15 Uhr.

Text: Reiner Terhorst

Das Bild zeigt (v.l.) Tiina M. Henke und Andrea Miosczka im Gespräch mit einer Besucherin am evangelischen Friedhof in Duisburg Hamborn; Foto: Reiner Terhorst

 

 

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